Burganlage

Die Burg wurde im Laufe ihres Bestehens nie zerstört und nie wesentlich baulich verändert. Baumaßnahmen wurden nur unternommen, um bei der Verteidigung auf dem Stand der Zeit zu bleiben. Deshalb zeigt sie immer noch die ursprüngliche Gestalt einer hochmittelalterlichen Ritterburg.

Auf der Bergseite trennt ein Halsgraben die Vorburg vom Berg. Sie ist mit zwei Rundtürmen befestigt und durch ein Fachwerktorhaus von außen zugänglich. Ein weiterer Graben trennt die Vorburg von der Kernburg. Der Graben ist 13 Meter hoch, 19 Meter lang und 2,5 Meter dick. Ein an deren nördlichen Teil angebauter Bergfried verstärkt hier noch die Befestigung, er hat einen rechteckigen Grundriss und zeigt außen Buckelquader. Die Kernburg wird durch vier weitere Türme gesichert, ein Zwinger läuft rings um sie.

In der Kernburg stehen mehrere Fachwerkgebäude und eine Kapelle.

Torhaus

Etwa bei zwei Fünftel der östlichen Verteidigungsanlage befindet sich das Torhaus mit einem Grundriss von ca. 4,70m x 6,50 m. Es steht schräg in den Burggraben hinein und dementsprechend ist auch die Brücke schräg angelegt. Das Torweggeschoss ist aus Bruchsteinen gemauert und endet im ersten Stock mit einem Sockel von ca. 1,50 m über einem Rundbogenfries. Da der Bruchsteinsockel im ersten Stock von der Westseite her nicht vorhanden ist, schließen Bauhistoriker, dass der ursprüngliche Torturm von dieser Seite her offen war. Auf dem gemauerten Sockel sitzen heute zwei zusätzliche, vermutlich spätere Fachwerkgeschosse, welche von außen über eine Treppe zugänglich ist. Das Torhaus wurde 2004 letztmalig renoviert und beherbergt heute eine großzügige Gästewohnung der Residenz Schloß Stetten, sowie eine Uhr mit Glockenspiel zum Ein- und Ausleuten von Gottesdiensten in der Kapelle.

 

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Schloßkapelle

Die Schlosskapelle in ihrer heutigen Form wurde im Jahr 1677 unter Wiederverwendung von Untergeschoss und Chorturm des Vorgängerbaus gebaut, die ebenfalls verwendete alte Eingangstür trägt die Jahreszahl 1436. Der zweistöckige Bau mit Schiff und Empore ist mit Sichtfachwerk gebaut. Die Empore ist über eine Außentreppe erreichbar. Die Nordseite der Empore entstand später mit einem erkerartigen Vorbau für ein Orgelpositiv aus dem 18. Jahrhundert, welches noch bespielbar vorhanden ist. Die Kapelle ist ein protestantischer Predigtraum mit Chor und Kanzel kurz vor dem Chorbogen. So ist gesichert, dass von jedem Platz der Kapelle aus Kanzel und Altar sichtbar sind. Die Empore ist bemalt mit Wappen von benachbarten und verwandten reichsritterschaftlichen Familien. Die Kanzel und das Altarkruzifix sind Arbeiten von Johann Jakob Sommer (1645-1715) aus der bekannten Künzelsauer Künstlerfamilie. Die Kanzel mit gewundenen Säulen zeigt die vier Evangelisten in Bogennischen, der Schalldeckel den Heiligen Geist als Taube mit Strahlenkranz. Die Kapelle wird heute im Rahmen der Familie und der Residenz Schloß Stetten genutzt. Hier finden regelmäßig ökumenische Wochenendsandachten und Gottesdienste statt.

 

Innere Burg

Die innere Burg wurde um 1089 zur Zeit von Kaiser Friedrich Barbarossa gebaut. Sie besteht aus dem Bergfried, der Schildmauer und der die drei weiteren Seiten des Burgplatzes einschließenden Ringmauer. Dadurch besteht ein trapezförmiger Grundriss, welcher sich im Westen zum Tal hin aufgrund der geografischen Vorrausetzungen der Bergzunge verschmälert.
Der Bergfried misst 7,11 m im Quadrat und hat im unteren Teil eine Mauerstärke von 2,35 m und hat eine gemauerte Höhe von 22,50 m an der Nordwestkante. Die Schwelle seines Hocheingangs an der Westseite liegt bei 11,22 m über dem heutigen Erdgeschossfußboden. Der Bergfried hatte früher ein weiteres Fachwerkstockwerk mit einem Walmdach, anstatt des heutigen Zeltdaches, darüber hinaus ist anzunehmen, dass der Turm im Mittelalter eine zinnen bewehrte Plattform (eventuell mit Bedachung) hatte.
Die Schildmauer ist an ihrer Außenseite von unten aus größtenteils in Buckelquadern ausgeführt, die Innenseite besteht aus glatten Steinen mit einigen wenigen Buckelsteinen. Sie überragt auf der südlichen Seite das Gebäude an der Ringmauer um eine Geschosshöhe und endet bei 13 m Höhe mit einer Mauerstärke von 2,65 m unter dem später aufgesetzten Wehrgang. Das Tor in der Schildmauer ist 2 m breit und 3,70 m hoch und groß genug um zu zweit in den Hof einreiten zu können. In etwa 5,50 m Höhe befindet sich ein ca. 0,40*1,20 m großer Stein mit zwei Figuren. Links ein schreiender Esel, rechts eine wohl männliche Fratze mit herausgestreckter Zunge. Es gibt verschiedene historische Interpretationen zu diesem Stein, die wahrscheinlichste ist, dass es sich um eine ursprünglich keltische Arbeit – einen Gott mit Tierattribut darstellend – handelt, es könnte aber auch ein im Mittelalter beliebtes Hohn Bild für Angreifer der Burg sein.
Die Ringmauer um die Burg zeigt an allen Seiten gut gearbeitetes Muschelkalkmauerwerk. Sie verjüngt sich vom Untergeschoss von ca. 1,70 m Stärke auf ca. 0,70-1,00 m im zweiten Obergeschoss und ist je nach Geländeanschluss noch in voller Höhe (14 m) erhalten.
Die Burg ist seit mehr als 800 Jahren Sitz der Familie der Freiherren von Stetten und wird bis heute privat bewohnt.

 

Äußeres Haus

Als letzter Neubau entstand im Jahre 1716 in der Vorburg das barocke „Äußere Haus“, das schlossähnlich anmutet; deshalb dürfte die als Wehrburg konzipierte Anlage wohl auch zum heutigen Ortsnamen "Schloß Stetten" gekommen sein.

Die letzte größere bauliche Veränderung fand 1870 statt. Damals verfüllte man den inneren Graben zum Teil und baute das Torhaus um, so dass danach auch Kutschen einfahren konnten.

 

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